Wie pflege ich ein Schwert?

Ich kann mich noch gut an mein erstes Schwert erinnern, welches ich vor knapp 20 Jahren auf einem Mittelaltermarkt erstand: Es war ein ziemlich großes, zweihändiges Langschwert für den Schaukampf …und wie liebte ich es! Trotzdem sah es nach einem halben Jahr aus, als hätte es ein Jahrhundert in hessischer Erde gelegen: Braun, glanzlos und unansehnlich.
Heute weiß ich es natürlich besser und meine Trainingswaffen sind stets in repräsentablem Zustand. „Ein Handwerker hält sein Werkzeug in Ordnung“ sagt man. Das gleiche gilt für Künstler und natürlich auch für KAMPFkünstler.
Ihr habt Euch euer erstes Schwert vielleicht soeben erst gekauft und die Kohle hart vom Munde abgespart. Damit Ihr nicht den gleichen Fehler macht wie Ich damals, gibt euch Torsten ein paar fundamentale Pflegetipps.

Eine kleine Stahlkunde

„Echte“ Schwerter des späten Mittelalters wurden aus raffiniertem Eisen geschmiedet, wobei durch ständiges Falten und Umschmieden Schlacken aus dem Werkstoff entfernt wurden, um den Reinheitsgrad zu erhöhen und das Material zu homogenisieren. Dieser Vorgang hat nichts mit „Dammaststahl“ zu tun, nahezu jeder gute mittelalterliche Stahl ist ein gefalteter Schweißverbundwerkstoff. Gleichzeitig wurde der entstandene Rohling im Holzkohlefeuer „aufgekohlt“ (also der Kohlenstoffanteil erhöht) und nach einem Anlassen und anschließenden Härten im Ölbad hatte man als Ergebnis einen Stahl, der durchgängig hart, “Schnitthaltig” und dennoch federnd und elastisch war.
Moderne Feder-Monostähle, aus denen unsere Trainingsschwerter bestehen, bringen die gleichen Eigenschaften mit, aber sie haben auch den gleichen Nachteil: Sie rosten. Der unvermeidbar geringe Chrom-Anteil begünstigt die Reaktion des Materials mit dem Sauerstoff in der Luft und sorgt für die charakteristischen braunen Flecken.
Üppig ornamentierte Zierschwerter aus dem Waffenladen, sogenannte Wallhänger, sind übrigens meist aus rostfreiem Edelstahl gefertigt und oxidieren nur sehr langsam. Zum Fechten taugen sie jedoch nicht, denn der Stahl ist viel zu spröde und würde nach einigen härteren Schlägen zerspringen.

Rost ist also der Feind unserer geliebten Trainingsschwerter. Und er ist ein schneller Feind: Bereits wenige Stunden nach dem Training kann sich ein brauner Hauch auf der Klinge bilden, der sogenannte Flugrost. Hohe Luftfeuchtigkeit, Handschweiß oder –besonders übel- eine Nacht im Auto bei Regen- können den Prozess beschleunigen. Rost ist nicht nur hässlich, sondern auch schädlich: Frisst sich sie die Oxidation zu tief in den Stahl, kann die mechanische Integrität des Schwertes Schaden nehmen, was natürlich der Lebensdauer Eures Schatzes abkömmlich ist. Daher gehört die regelmäßige und gewissenhafte Waffenpflege zum Alltag des Schwertfechters. Hab’ dein Schwert lieb und es wird dir viele Jahre lang dafür danken!

Links: Flugrost auf einem Schwertknauf. Rechts: Im Vergleich dazu eine regelmäßig gepflegte Stahlklinge.

Ein paar Grundsätze

  • Um Rost zu verhindern, solltet ihr euer Schwert möglichst trocken lagern. Trockene Luft ist ein guter Rostschutz. Die Wand neben der Badezimmertür, der Balkon oder das Auto hingegen sind sehr ungünstige Aufbewahrungsorte.
  • Fasst euer Schwert nur an, wenn ihr es braucht, denn der Handschweiß ist Gift für die Stahloberfläche der Klinge. Natürlich darf man es mit dieser Regel nicht übertreiben: letztendlich ist das Schwert euer Werkzeug, und wenn trainiert wird, kann man auf das Material keine Rücksicht nehmen.
  • Wobei Handschuhe auch hier das Rost-Risko vermindern, sofern sie nicht von Schweiß getränkt sind.
  • Der wichtigste Grundsatz lautet jedoch:

Nach dem Training: Einölen!

  • Die beste Schwertpflege ist die, die Rost gar nicht erst entstehen lässt. Ölt euer Schwert deshalb direkt nach dem Training zuhause ein und lagert es dann geschützt und trocken.
  • Ölt euer Schwert JEDES MAL neu ein, wenn ihr trainiert habt, das Ding von Freunden angefasst wurde, ihr es von einer Wohnung in die nächste transportiert habt und wenn ihr gerade trainingsfaul seid: 1-2 mal die Woche. Werdet sozusagen Rost-paranoid und ölt routinemäßig einmal pro Woche euren kompletten Waffenkram nach.
  • Zum einölen gibt es zwei Produkte, mit denen ich ganz gute Erfahrungen gemacht habe:
    Ballistol ist ein Öl, mit dem Schützen auch gerne ihre Schießeisen rostfrei halten. Es riecht etwas streng, hat aber gute Schutzeigenschaften, da es nicht so flüchtig wie andere Öle ist.
    WD40 ist unter Handwerkern sowieso Kult, da man es für fast alles brauchen kann. Es ist ein eher dünnflüssiges Öl, dass man oft auftragen sollte. Wenn ihr zwei Mal die Woche trainiert und jedes Mal nachfettet, ist alles OK.
  • Für Leute, die es etwas edler mögen, gibt es spezielles Schwertpflegeöl aus Kamelien, das auch wunderbar duftet… einfach mal googeln. Wenn ihr gerade kein Schwertpflegeöl im Haus habt, dann könnt ihr (und da werden jetzt einige Leser die Nase rümpfen) jedes Öl nehmen, das gerade zur Hand ist. Selbst das Olivenöl aus der Küche ist immer noch besser, als die Waffe ohne fettigen Schutz an die Wand zu hängen!
  • Fettet das komplette Schwert ein, also auch das Kreuz und den Knauf. Auch der Spalt zwischen Kreuz und Hilze sollte ab und zu ein paar Tropfen Öl abbekommen.

Einige Produkte, die sich zur Schwertpflege eignen: Hinten zwei Metallpflege-Öle, vorne zwei Mittel zur Flugrost-Entfernung und Politur.

Flugrost entfernen

Mist, jetzt ist es doch passiert: Ihr wart eine Woche lang nachlässig und habt ein paar Rostflecken an der Waffe. Die müssen unbedingt weg, sonst wird das ein Dauerzustand. Aber keine Panik, das kriegen wir hin.

  • Aber bitte nicht mit Schleifpapier, Feile oder Topfreiniger! Diese Neandertaler-Methoden zerkratzen den Stahl und geben dem Rost für seinen nächsten Anlauf mehr Angriffsfläche.
  • Nehmt stattdessen Polierwatte aus dem Baumarkt. Ein gutes Produkt ist Never Dull, damit könnt ihr den Rost gut runter polieren.
  • Auch nicht schlecht sind die weißen Metall-Polierpasten wie Autosol, auch wenn ihre Verwendung etwas komplizierter ist: Erst muss man das Schwert damit dünn einschmieren, das Zeug antrocknen lassen und dann heißt es: mit einem Tuch schrubben bis der Arzt kommt. Am besten mehrmals, um den Glanz zu erhöhen.
  • Ein poliertes, glänzendes Schwert ist keine reine Frage der Optik, die glatte Oberfläche ist auch nicht so rostanfällig wie ein Schwert, das bereits eine Oxidationsschicht hat.
  • Und nicht vergessen: Nach jedem Polieren gut einfetten!

…und der Ledergriff?

  • Ist eher Verbrauchsmaterial und wird sowieso irgendwann erneuert. Aber wenn ihr eine schöne Griffbelederung habt und das Leder geschmeidig halten wollt, bedient Euch eines nicht färbenden Produkts aus dem Möbelsektor. Einfach mal nach „Lederöl“ oder „Leder-Weichmacher“ googeln.

Selten: Scharten entfernen

Wenn Ihr Unterricht in der Stahlakademie genießt, werdet Ihr lernen, die Waffen nicht sinnlos Kante-auf-Kante ineinander zu schlagen, sondern so zu verwenden, dass keine allzu tiefen Scharten entstehen. Dennoch: Wenn man ein Schwert lange verwendet und auch mal etwas härter trainiert, kann es schonmal passieren, dass die Kante leidet. In diesem Fall müsst ihr die betreffende Stelle unbedingt daraufhin prüfen, ob kleine Splitter abstehen oder sich ein scharfer Wulst gebildet hat. Ich selbst tue das mit dem Selbsttest und fahre mir mit der Schneide mehrmals über den Arm: piekt und kratzt es, muss Abhilfe geschafft werden:

  • Mit einer Stahlfeile bearbeite ich vorsichtig die Scharten vom Kreuz Richtung Ort. Es ist nicht wichtig, die Scharte komplett “wegzuschleifen”, sie darf lediglich keine scharfen Kanten mehr haben, an denen sich mein Trainingspartner verletzen kann.

Vor dem nächsten Training

  • Ein gut eingeöltes Schwert macht Flecken auf der Kleidung und- schlimmer noch- ist eventuell „flutschig“ und rutscht beim Fechten aus den Händen. Daher müsst ihr das Fett direkt vor dem Training mit einem Tuch abwischen. Chemie-Nerds können auch Waschbenzin nehmen, das entfernt restlos jedes Fettmolekül und lässt die Klinge wunderbar aufglänzen.
  • Aber nicht vergessen, direkt nach dem Training… richtig, einölen!