Ausrüstung

HEMA Schwertkampf Handschuh

Historisches Fechten ist ein materialintensives Hobby. Es beginnt harmlos mit einer Maske und ein paar Handschuhen und endet, Jahre später, mit einer Blankwaffensammlung vom Gewicht eines Kleinwagens und einer Abstellkammer voller Fechtsachen und Protektoren, die zweifelhafte Gerüche ausdünsten. Der Markt an Trainingswaffen und anderen HEMA-Produkten ist inzwischen riesig und sehr international. Gleichzeitig sind die Sachen nicht gerade billig und viele Einsteiger in den schönsten Kampfsport der Welt haben nur ein begrenztes Budget und wollen nichts falsch machen.
Dieser Artikel soll daher zur Orientierung durch den Ausrüstungsdschungel dienen und sowohl  angehenden als auch eingefleischten Stahlakademikern erste, zweite und dritte Einkaufsempfehlungen geben.

Was brauche ich wann? Eine zeitliche Richtlinie.

Der Weg des historischen Fechters ist im Idealfall lang, abwechslungsreich und gepflastert mit zahlreichen Kaufentscheidungen. Längst nicht alles, was man später einmal braucht, muss man von Anfang an besitzen. Wir beginnen den Artikel mit einem kurzen zeitlichen Abriss der wichtigsten Kaufentscheidungen. Natürlich ist diese Abfolge nicht in Stein gemeißelt und kann individuell variieren. Für clubfremde Mitleser sei außerdem vorangeschickt, dass es sich hierbei primär um den Stahlakademie-typischen Ansatz handelt, der eng mit unserem Trainingsaufbau verzahnt ist. Es kann sein, dass ihr die Reihenfolge der Kaufentscheidung in eurem eigenen HEMA-Club anders handhabt als wir es tun.

Du hast dein Probetraining erfolgreich absolviert und weißt, dass du bei uns einsteigen möchtest? Super! Zum Anziehen benötigst du vorerst bloß leichte Sportbekleidung. Über ein Schwert musst du dir in dieser Phase noch keinen Gedanken machen, du kannst erst einmal eine unserer Synthetik-Trainingsschwerter verwenden. Was du zu allererst benötigst, ist eine HEMA-Fechtmaske mit Hinterkopfschutz, damit das Training für dich etwas sicherer wird und deine Trainingspartner nicht übervorsichtig sein müssen. Außerdem benötigst du sofort leichte Trainingshandschuhe, die deine Finger vor kleinen Blessuren schützen und vor besonders an den Fingern schlecht heilende Hautabschürfungen. Hierfür genügen bereits irgendwelche Arbeitshandschuhe aus dem Baumarkt.

Zuerst einmal wird es Zeit, dass du wie ein*e Fechter*in ausschaust. Nach dem Motto: „Support your Club“ empfehlen wir dir eine Garnitur aus Stahlakademie-Trainingsshirts und dazu eine anständige Fechthose.
Unsere wichtigste Waffendisziplin ist die Kunst des Langen Schwertes der Liechtenauer-Tradition, deshalb ist ein Langes Schwert die erste Waffe, die du dir zulegen wirst. Im Gegensatz zu anderen Clubs wird bei uns im regulären Training nicht mit einem Federschwert trainiert. Unserer Meinung nach ist die alleinige Beschränkung auf leichte, superflexible Turnierschwerter eine Unart der modernen HEMA-Szene. Federn haben ihre Berechtigung fürs Freikampftraining, doch sollten alle Techniken stets, und vor allem zu Beginn der HEMA-Karriere, auch mit (stumpfen) Schwertrepliken trainiert werden, welche ein steifes Klingenprofil, etwas mehr Kopflastigkeit und weniger Handschutz aufweisen und damit, kurz gesagt: „schwertähnlicher“ sind. Wir raten dazu, das erste Trainingsschwert so früh wie möglich zu bestellen, denn einige Hersteller haben lange Wartezeiten.

Der Einstieg in das reguläre Freikampftraining stellt eine wichtige Zäsur im Weg des historischen Fechtens dar. Er sollte nicht zu früh erfolgen, denn ohne eine solide technische Grundlage führt Freifechten unserer Meinung nach zu weitgehend kunstloser Klopperei. Frühestens ab einem Jahr kann man beginnen, sich über eine Freikampfausrüstung Gedanken zu machen. Unserer Erfahrung nach sind die meisten Fechter nach etwa zwei Jahren so weit. Die Freikampfausrüstung muss komplett und auf einen Schwung angeschafft werden, denn ein Einstieg mit unvollständiger Ausrüstung macht keinen Sinn und ist gefährlich. Die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände sind: Federschwert, Maske mit Hinterkopfschutz (in der Regel bereits vorhanden), Halsschutz, Fechtjacke, Tiefschutz, schwere Freikampfhandschuhe, Unterarm- und Ellenbogenschoner, Schienbein- und Knieschoner. Optional kann man diese Ausrüstung mit einem Brust-Plastron (insbesondere für Frauen empfohlen) und einer extra gepolsterten Fechthose oder einem Fechtrock ergänzen.

Neben dem langen Schwert werden in der Stahlakademie zahlreiche weitere Waffendisziplinen des Mittelalters und der Renaissance trainiert. Für die meisten dieser Disziplinen gibt es eine ausreichende Anzahl an Simulatoren zum Ausleihen, doch ein eigenes Stück ist natürlich immer am Schönsten! Deshalb verhält es sich mit Blankwaffen wie mit Kaninchen: Sie vermehren sich schneller, als man glaubt. Wer über die nötige Barschaft verfügt, hat die Wahl zwischen: Einhandschwert und Buckler, Langes Messer, Rapier, Dolch, Schlachtschwert und Stange. Von Einhandschwertern und Langmessern gibt es, neben den regulären stumpfen Trainingswaffen, auch federartige Freikampf-Varianten. Die Freikampfoption für den Stoßdolch aus Stahl ist der Holzdolch. Beim Fechten mit dem Rapier sind Trainings- und Freikampfwaffe in der Regel identisch. Das Schlachtschwert besitzt man als stumpfe Replik für den Solodrill und als Holz- oder PET-Trainer für Freikampfübungen.

Scharfe Schwerter, Speere und Hiebmesser fallen unter das Waffengesetz. Es handelt sich um sogenannte „erlaubte Waffen“, für die man zwar keinen Waffenschein benötigt, deren Verwahrung und gesicherter Transport dennoch einer hohen Sorgfaltspflicht unterliegen. Für den fortgeschrittenen historischen Fechter sind Solo-Drills und Schnittübungen an (unbelebten) Objekten eine spannende und wertvolle Ergänzung zum regulären Training. Aus diesem Grund legen sich manche unter ihnen scharfe Versionen von ihren jeweiligen Lieblingswaffen zu. Scharfe Schwerter sind außerdem oft liebevoll hergestellte Repliken historischer Originalwaffen und als Sammlerstücke von besonderem Wert.

Worauf ist zu achten? Der Anschaffungsleitfaden

Es folgen nun einige Tips und Hinweise, worauf beim Kauf der jeweiligen Trainingswaffen und sonstigen Ausrüstungsgegenstände zu achten ist. Auch wenn hier und da bereits Hersteller erwähnt werden, versteht sich dieser Abschnitt noch nicht als Kaufempfehlung, sondern soll lediglich allgemeine Kriterien für das Beurteilen einzelner Produkte aufstellen. Weiter unten findet Ihr eine ausführliche Hersteller- und Händlerliste, welche ihr dann -mit den Hinweisen aus diesem aktuellen Abschnitt im Hinterkopf- auf der Suche nach eurer zukünftigen Ausrüstung durchstöbern könnt. Bei Federn und Rüstungsteilen habe ich -teilweise wortgleich- Richtlinien aus dem Turnierregelwerk des DDHF übernommen. Turniere stellen für viele historische Fechter eine wichtige Motivation dar und was an Ausrüstung für nationale und internationale Turniere halbwegs save ist, schadet auch beim heimeligen Sonntags-Sparring im eigenen Club nicht.

Trainingswaffen

Zum Training historischer Kampftechniken bevorzugen wir in der Stahlakademie Schwerter mit einem Handling und einer Optik, die den historischen Originalen möglichst nahe kommt. Trainingsschwerter unterscheiden sich dennoch individuell sehr stark und die Wahl hat auch mit den persönlichen Vorlieben und dem ästhetischen Geschmack zu tun. Daher empfehle ich hier zwei Schwerter, und diese sind als Beispiele zu verstehen, wenn auch als gute. Denn die gezeigte Werkzeuge zeigen wunderbar exemplarisch, worauf es ankommt und liegen bei allen relevanten Eckdaten im soliden Mittelfeld. Mit solch einem Schwert könnt ihr wenig falsch machen. Worauf solltet ihr achten, wenn Ihr Euch auf Schwertsuche begebt?

  • Stumpfe Klinge, abgerundeter Ort (Spitze).
  • Gesamtlänge von 120-140 cm.
  • Gesamtgewicht zwischen 1200 und 1900 Gramm.
  • Zweihändige Verwendbarkeit, Griff mindestens 25 cm lang.
  • Halbwegs gerades, möglichst schnörkelloses Kreuz (keine Haken oder ähnlichen Kram!).
  • Knauf in Diamant- oder Birnenform.
  • P.o.b. („Point of balance“) nicht mehr als 9 cm vom Kreuz entfernt.

Die Wahlmöglichkeiten sind sehr groß und der Mark st ständig im Fluss. Eine seit über einem Jahrzehnt stehende Größe ist Pavel Moc, der ausnehmend schöne Langschwerter produziert, die fast immer gut fechtbar sind und außerdem dem Auge des Geschichtskenners schmeicheln. Sie sind allerdings auch nicht gerade günstig. Meine Empfehlungen für Einsteiger sind daher:

Standard Longsword von Peter Regenyei
Erhältlich bei Regenyei Armory.

1 1/2-Händer, Typ „Deutsche Schule“, lang (SKF 1a), aus der Schmiede JiNO.
Erhältlich bei WestCoast-Versand.

Das Federschwert ist die typische Trainingswaffe historischer Fechtschulen und lässt sich bereits im Spätmittelalter nachweisen. Es zeichnet sich einerseits durch das „Schilt“, ein zusätzliches Parier-Element an der Klingenstärke, und generell durch eine elastischere, flexiblere Klinge mit einem abgerundeten Ort und einer dickeren Schlagkante aus. In der Stahlakademie verwenden wir es für den Freikampf. Das Federschwert soll den Trainingspartner vor Verletzungen schützen und gleichzeitig ein realistisches Fechtgefühl vermitteln. Federschwert-Modelle gibt es inzwischen wie Sand am Meer, es ist unmöglich, sie alle zu kennen. Die meisten von uns verwenden Federn der Firma Regenyei, andere von mir bereits getestete Marken sind Ensiferum, Chlebowski und Berbekucz, mit denen man ebenfalls nicht allzu viel falsch machen kann.
Teure Hersteller wirklich guter Produkte sind die Firmen Pavel Moc und Comfort Fencing.  Grundsätzlich sollte das Federschwert gut führbar, aber nicht ZU leicht sein, die Klinge sollte elastisch, aber nicht ZU wabbelig sein. Ich rate euch vor einer Bestellung, die Waffen eurer Fechtkamerad*innen auszuprobieren. Bitte vergesst nicht, dass das Federschwert nicht nur Euch, sondern auch dem Fechtpartner dient, den ihr damit trefft. Wer in Deutschland an Turnieren teilnehmen will, sollte darauf achten, dass sein Federschwert die Erfordernisse des Dachverbands DDHF berücksichtigt:

  • Die Klingenlänge darf 105 cm nicht überschreiten.
  • Die Gesamtlänger darf 140 cm nicht überschreiten.
  • Das Kreuz (die „Parierstange“) muss zwischen 20 und 30 cm lang sein.
  • Die Masse (das Gewicht) muss zwischen 1200 und 1800 Gramm liegen.
  • Die Klinge sollte sich gegen ein Prüfgewicht von 15 Kg sichtbar durchbiegen.
  • Ort und Schilt müssen gerundet sein.

Das einhändig geführte Schwert war eine der am häufigsten geführten Beiwehren von Adeligen und wohlhabenden Bürgern. Oft wurde es zusammen mit einem Buckler verwendet. Ein brauchbares Einhandschwert zum Trainieren historischer Techniken sollte möglichst nicht mehr als 1200 Gramm wiegen sowie eine stumpfe Klinge und einen abgerundeten Ort haben. Der Griff sollte nicht zu lang sein, die behandschuhte Hand sollte gerade hineinpassen und der Knauf sollte spürbar am Außenballen anliegen. Regenyei Armory baut solide Einhandschwerter, allerdings sind manche davon zu spitz, um als sicher bezeichnet werden zu können. Ich selbst bin ein großer Fan von den Sonderanfertigungen von Paul Binns. Hier ein Vergleichstest:

Der Buckler ist mehr als nur ein Schild, er ist die Zusatzwaffe zum Einhandschwert. Fast alle historischen Manuale zum Einhandschwert sehen auch einen Buckler vor. Buckler gab es sowohl aus Metall, aus Holz als auch aus Leder, sowie in allen möglichen Kombinationen dieser Materialien. Für den heutigen Trainierenden gibt es sogar welche aus Plastik. Stahlbuckler sollten nicht zu schwer sein, ähnlich wie beim Einhandschwert halte ich 1200 Gramm für die sinnvolle Obergrenze, würde allerdings zu deutlich weniger raten. Sehr gute Erfahrungen habe ich mit leinenbezogenen Holzbucklern gemacht, die zusätzlich mit einem Stahlbuckel und einem Schildrand aus Rohhaut versehen sind. Diese haben außerdem den Pluspunkt, sehr historisch zu sein. Hier kann ich die Firma Schildwerkstatt sehr empfehlen, die hochwertige und robuste Buckler herstellt. Auch andere Schildvarianten sind dort zu bekommen.

Es gibt leider viel zu wenig Hersteller, die gute Langmesser schmieden. Als aktueller Benchmark dienen die sehr schönen Arbeiten von Landsknecht Emporium, die man durchweg empfehlen kann. Auch das Standard-Trainingsmesser der tschechischen Schmiede JiNo ist rundweg zu empfehlen, auch wenn der Wehrnagel hier nur angeschweißt ist. Erfreulicherweise stellt er seine Messer in zwei einfach zu vergleichenden Längen (und somit auch Gewichten) her. Die Messer von Regenyei sind ebenfalls brauchbar, allerdings stören sich manche Fechter an dem seltsam rechteckigen Griff. Solltet ihr weitere Hersteller auskundschaften, achtet dringend darauf, dass das lange Messer ein Gewicht von 1200 Gramm nicht überschreitet, ich empfehle euch sogar eher ein Gewicht um die 1000 Gramm. Viele Fechter unterschätzen die Belastungen für das Handgelenk und kaufen sich aus purem Machismo heraus Trainingswaffen, die viel zu ungelenk sind, um die historischen Techniken sauber auszuführen.

Auch Rapiere gehören zu den Fechtwaffen, die in der Herstellerbranche ein bedauerliches Dasein im Schatten der Langschwerter führen, aber immerhin ist die Auswahl größer als bei den Messern.
Grundsätzlich dürfen Trainingsrapiere nicht spitz sein, wir bestehen auf einen abgerundeten, eventuell sogar knopfförmigen Stoßort, der im Zweifelsfall zusätzlich mit einem Pfropfen gesichert werden muss! Für das Gewicht gilt das gleiche wie bei den anderen Einhandwaffen: Weniger ist mehr. Bei einem Gewicht um die 1000 Gramm macht das Fechten Spaß und chronische Schulterprobleme können vermieden werden.
Beim Gehilz scheiden sich die geschmacklichen Geister: Die Glocke bieten einen deutlich besseren Handschutz, der Korb ist leichter, sieht hübscher aus und bietet mehr Spielraum zur optischen Individualisierung. Geschmackssache, würde ich sagen! Beim Kauf ist darauf zu achten, dass die Waffe gut mit leichten und mittleren Fingerhandschuhen zu greifen ist, der Zeigefinger muss VOR dem Kreuz gut durch den Ring passen.
Auch hier bietet Regenyei Armory ein gutes Grundsortiment. Ein weiterer beliebter Hersteller ist die russische Firma Kevtun und ein überraschend solides, sicheres und führiges Trainingsrapier ist das „Practial“ von Hanwai.

Der Dolch ist in der mittelalterlichen Kampfkunst eine Grunddisziplin und leider in der HEMA-Szene etwas vernachlässigt. Wir halten ihn in Ehren und haben hin und wieder Dolchkurse, für die man natürlich Trainingsgerät braucht. Der mittelalterliche Stoßdolch sollte für das Training der historischen Techniken ungefähr so lang sein wie der Unterarm des Trainierenden, einschließlich der geschlossenen Faust.
Sowohl für das Training als auch für den Freikampf genügen gedrechselte Scheibendolche aus Holz, die außerdem als Trainingswaffen für die damalige Zeit belegt sind. Es gibt auch Simulatoren aus Kunststoff, insbesondere von der Firma Cold Steel, von denen ich persönlich nicht überzeugt bin, da sie zu klein sind. Sehr brauchbar sind die Holzdolche der Firma SPES, wobei ich hier die Variante mit dem kurzen Griff empfehle.
In Sachen Stahldolche ist für mich die Firma Arms and Armor Manufacture vorne, hier gibt es eine sehr große Auswahl sehr schöner Stahldolche. Aber Achtung: Sie sind alle viel zu spitz und müssen auf jeden Fall am Ort abgefeilt werden!

Wer das nötige Kleingeld hat und sich eine besonders schönes –und in diesem Fall fast immer scharfes- Schwert gönnen möchte, für den gibt es eine kleine, aber höchst diverse Auswahl an hochkarätigen Schmiedehandwerkern, die auf Anfrage individuelle Einzelanfertigungen herstellen. Oft handelt es sich um exakte Repliken historischer Originale, voll funktional und dazu wunderschön. Hier ist es sehr schwer, einzelne Empfehlungen abzugeben. Was man besitzen will und von wem es gemacht werden soll, hängt stark von der individuellen Vita des jeweiligen Fechters ab und auch davon, für welche Waffengattung man sich begeistert.
Im Hinblick auf Langschwerter sollte man sich die Namen Elgur, Mateusz Sulowski, Stefan Roth, Peter Johnsson, Maciej Kopciuch oder Damian Sulowski merken. Es gibt außerdem eine Reihe von semiprofessionellen Handwerkern, die nur auf Anfrage für den Fremdbedarf, dann aber extrem hochwertig, schmieden. Lukas Mästle-Goer sei hier als Beispiel genannt.

Schutzausrüstung

Für die Fechtmaske gibt es ein Hauptkriterium: Sie muss dem FIE Standard-Niveau 2 entsprechen und für 1600 Newton Trefferabsorbtion ausgelegt sein. Es gibt welche, die liegen unter diesem Wert und sind für den Schwertkampf ungeeignet. Ein etwas stärkerer Latz  ist ebenfalls nicht verkehrt. Früher habe ich die Allstar-Masken empfohlen, weil es hier Modelle mit herausnehmbarem Innenfutter gibt. Die Erfahrung hat allerdings gezeigt, dass den meisten Leuten ein Konkurrenzprodukt besser passt und sie den Sitz als bequemer empfinden.

Ein Hinterkopfschutz aus einem harten Material, der den Hinterkopf und Nacken vor Schlägen schützt. Die Zeiten, in denen man auf Zusatzpolsterung und Hinterkopfschutz verzichtet hat, um Geld zu sparen, sind lange vorbei… wir leben nicht mehr in der Anfangszeit der HEMA-Szene. Deshalb lege ich euch diese zusätzliche Polsterung für die Fechtmaske dringend ans Herz. Außerdem wird der Hinterkopf dadurch geschützt. „Nackte“ Fechtmasken tun das nicht, sie schützen nur das Gesicht und den vorderen Teil der Kopfseiten.

Die Fechthose ist keineswegs nur schicke Sportoptik, sondern bietet zusätzlichen Schutz, denn das Material ist schwer zu durchstoßen und verhindert im Fall eines harten Stiches das Schlimmste. Ich empfehle euch die Anschaffung von mindestens zwei Hosen: Eine leichte ohne Zusatzpolsterung für das normale Techniktraining und eine mit zusätzlicher Polsterung für die harte Gangart. Wer viel trainiert, sollte sich sowieso eine mehrfache Anschaffung überlegen, da er die Hosen dann im Wechsel waschen kann. Mir persönlich gefallen die Hosen von PBT am besten.

Der DDHF schreibt: „Ein Halsschutz aus einem harten Material, der den gesamten Kehlkopf überdeckt und den Hals vor Stößen schützt“. Dieser Ausrüstungsgegenstand ist für den Freikämpfer Pflicht, für unsere Einsteiger kein unbedingtes Muss, denn Fechtmasken haben bereits einen leichten Halsschutz. Dennoch würde ich ihn auch den nicht ängstlichen Naturen ans Herz legen. Er kostet ja auch nicht viel.

Laut DDHF ist diese ein „Oberkörperschutz mit einer Stichsicherheit von mindestens 800N Pflicht, der den Oberkörper von der Hüfte (auch bei über den Kopf angehobenen Armen) bis zum Hals, sowie die Arme bis zu den Handgelenken, vorn und hinten überdeckt und den Oberkörper vor Schlägen und Stichen schützt“. Eine Fechtjacke besteht aus dickem, gepolsterten Stoff und solle vom Schnitt her ein Anheben der Arme gut ermöglichen. Fechtjacken gibt es von vielen Herstellern, ich selbst besitze zwei: Eine von SPES (die Axel Petterson Pro) und eine von Neyman Fencing (die Renaissance).Neyman ist allerdings pleite und es gibt inzwischen eine ganze Menge anderer Produkte, sie alle haben ihre Vorzüge. So gilt z.B. der Halsschutz der Firma Black Armoury als besonders vorbildlich.

Leider sind viele historische Fechter geizig, was den Beinschutz anbelangt, was oft zu einer Verfremdung des Fechtstils führt, weil man sich nicht traut, den schlecht ausgerüsteten Leuten auf die Beine zu schlagen. Ich empfehle euch den Beinschutz dringend, wenn ihr realistisch fechten wollt.
Laut DDF benötigt man einen „Beinschutz aus einem harten Material, der die Knie und Schienbeine bis zum Knöchel vor Schlägen schützt, sowie ein Oberschenkelschutz mit einer Stichsicherheit von mindestens 800N, der die Oberschenkel vor Stichen und Schlägen schützt.“
Meiner Meinung nach sollte man darauf achten, dass die Knie auch seitlich gut geschützt sind.
Leider gibt es hier wenig HEMA-Produkte und diese sind auch noch überteuert. Beinschützer aus dem Hockey sind fast durchgängig genauso gut oder besser, eine Modellempfehlung vermag ich nicht auszusprechen, denn meine eigenen sind zwölf Jahre alt. Achtet darauf, dass die Knie gut geschützt sind und auch an der Seite abgedeckt werden.

Für das reguläre Training sind schwere Freikampfhandschuhe völlig unnötig, sie behindern auch das genaue Trainieren der Handhaltung bei den historischen Techniken.

Leichte Fechthandschuhe sind natürlich nicht für harten freien Kampf geeignet (um den sich Einsteiger aber auch noch gar keine Gedanken machen sollten); doch sie schützen die Hände vor Kratzern und Quetschungen, welche schnell mal beim Training auftreten können. Zu Not gehen auch simple Arbeitshandschuhe aus dem Baumarkt, doch Fechthandschuhe haben eine zusätzliche Polsterung und sind außerdem besser verarbeitet und somit haltbarer.

Meine Empfehlung (und lasst euch vom etwas irreführenden Namen nicht täuschen) ist der „

Leichte Fechthandschuhe sind natürlich nicht für harten freien Kampf geeignet (um den sich Einsteiger aber auch noch gar keine Gedanken machen sollten); doch sie schützen die Hände vor Kratzern und Quetschungen, welche schnell mal beim Training auftreten können. Zu Not gehen auch simple Arbeitshandschuhe aus dem Baumarkt, doch Fechthandschuhe haben eine zusätzliche Polsterung und sind außerdem besser verarbeitet und somit haltbarer.

Meine Empfehlung ist der PBT HEMA Handschuh für Rapier und leichtes Sparring.

Wer etwas mehr Schutz haben möchte, kann z.B. auch zu den Rapier-Gloves von Red Dragon greifen.

Handschuhe sind der heilige Gral der HEMA-Ausrüstungshersteller: Wer den ersten vollständig schützenden und dabei leichten und voll beweglichen Fünf-Finger-Handschuh serienfertig baut, wird in die Szenegeschichte eingehen! Bis dahin müssen wir uns leider mit Kompromissen behelfen.
Schwere Handschuhe sind ein unbedingtes Muss für das freie Fechten, denn die Hände sind einerseits ein leicht erreichbares, und andererseits ein sehr fragiles Ziel. Obwohl schon sehr lange an guten Handschuhen entwickelt wird, ist die ideale Lösung noch nicht gefunden. Um den Thron des besten Handschuhes streiten sich die Firmen SPES, Saintmark und Sparringglove. Ich selbst habe mit dem SPES Heavy, der von fast allen Stahlakademikern verwendet wird, die besten Erfahrungen gemacht. Zwar wirkt er recht klobig, hat aber trotzdem einen guten Grip, lässt sich (was mir persönlich sehr wichtig ist) schnell aus- und anziehen, benötigt keinen Unterhandschuh und bietet viel Sicherheit. Trotzdem rate ich, zumindest für die Daumen, zur zusätzlichen Verwendung von Fingerkappen, die man unter dem Handschuh trägt.

Der Sinn eines Tiefschutzes beim Fechten braucht nicht großartig erklärt zu werden. Für Herren bieten ihn die meisten Firmen an. Frauen müssen leider ein bisschen suchen, aber auch hier gibt es Lösungen; Sie können z.B. bei www.faitsdarmes.com nachschauen.

Stiche zur Brust mit einem Schwert können auch durch die Jacke noch zu unangenehmen Hämatomen führen und, bei großem Pech, sogar gefährlich sein, z.B. wenn die Waffe bricht. Wer sich diesem Risiko nicht aussetzen will, trägt unter der Jacke einen zusätzlichen Brustschutz aus Hartplastik. Diesen gibt es sowohl in der entsprechend geformten Damen- als auch in der Herrenvariante. Frauen möchte ich den Brustschutz grundsätzlich empfehlen, da bei ihnen Hämatome des Brustgewebes viel leichter zu gefährlichen Tumoren führen können.

Hiebe auf den Unterarm sind häufig und trotz Jacke schmerzhaft. Treffer auf den Ellenbogen können zu ernsthaften Verletzungen führen. Es gibt die Schützer getrennt nach Unterarm/Ellenbogen oder am Stück. Ich empfehle dringend, die Teile nicht getrennt zu kaufen, da die Fummelei sonst schnell nervt. Die meisten von uns entscheiden sich für die Kombilösung und das Modell Vectir von SPES. Es lohnt sich allerdings, mal bei Hockey-und Motorcross-Ausrüstern zu recherchieren, da gibt es manchmal Sachen, die genauso gut schützen, aber günstiger sind. Ich selbst schwöre auf meine alten Hockey-Schoner.

Sonstiges Zubehör

Auch stumpfe Trainingswaffen sollten, obwohl sie keine Waffen im juristischen Sinne sind, sicher in einer geeigneten Tasche transportiert werden. Offen zur angeberischen Schau getragene Schwerter können unwissende Passanten beunruhigen, die Träger können auf Polizisten einen verantwortungslosen, wenn nicht gar verdächtigen Eindruck machen. Es mus also eine gute Tragetasche her.
Wer wenig Geld hat, muss ich bei anderen Sportarten behelfen: Ais dem Angel-, Jagd,- oder Surferbedarf gibt es diverse Taschen in halbwegs passender Größe. Diese sind jedoch nicht für die teils spitzen Blankwaffen ausgelegt und nutzen schnell ab. Schwerttaschen haben stark verstärkte Enden, um gegen die Spitzen bestehen zu können, außerdem haben sie mehrere bequeme und justierbare Gurte, denn die Hersteller wissen, dass Fechter oft noch weitere Taschen transportieren müssen.

Eine sehr solide Schwerttasche ist der „Swordback Liechtenauer“, in dem man bequem zwei Langschwerter und ein Messer transportieren kann.
Lest die ausführliche Rezension von Roger Norling.

Wer es gerne noch mächtiger mag, der ist mit dem Gear Bag von Red Dragon gut bedient.

Historische Blankwaffen wollen gepflegt sein! Über die Prävention und die Entfernung von Rost hat Torsten Schneyer zwei Videos produziert, die wir Euch als Beratung ans Herz legen wollen.

Listen der Hersteller und Händler

Es folgen nun stetig aktualisierte Listen von Herstellern und Händlern von und mit HEMA-Equipment.
Ihre Firma fehlt? Bitte senden sie uns eine Email!
Your Company is missing? Please send us an Email!

Blankwaffen

Arms and Armor Manufacture
Dolche … und anderer Schaukampf-Kram
Schmiede mit großer riesiger Produktpalette, das Meiste für die Mittelalterszene. Die Dolche sind toll, möchte man mit historisch anmutenden Stücken trainieren. Müssen nachträglich  an der Spitze abgerundet werden. Bei den anderen Waffen unbedingt auf das Gewicht schauen!

Aureus Swords
Federn

Balefire Blades
Langschwerter, Einhandschwerter, Bidenhänder, Federn und Korbschwerter
Balefire aus England bedient das unterrepräsentierte Mittelsegment der bezahlbaren Kleinserien und Einzelanfertigungen. Gute Kommunikation, aber terminmäßig nicht zuverlässig.

Bellatore
Schwerter, Rapiere und Linkhanddolche
Handgemachte, meist stumpfe Blankwaffen der gehobenen Qualitätsklasse aus Italien

Black Fencer
Synthetik-Trainingswaffen
…und zwar die besten.

Caino Swords
Federn

Elgur
Schwerter, Messer, Rapiere
Die Schmiede Elgur fertigt Produkte der Oberklasse. Es handelt sich um scharfe Einzelanfertigungen, meist nach historischen Vorlagen.

Ensifer
Langschwerter, Federn, Messer
Hochwertig und bewährt.

Fabri Armorum
Ein Hersteller, der seit Jahrzehnten die Mittelaltermarktszene mit -ziemlich hässlicher, aber unkaputtbarer- Schaukampfware bedient. Seine HEMA-Reihe ist jedoch für das Training tauglich.

JiNo Swords
Langschwerter, Messer (Rest nicht HEMA-tauglich)
Solide, geschmiedete Trainingswaffen, sehr robust verarbeitet. Die Kommunikation ist schwierig, am besten über den WestCoast-Versand bestellen.

Kvetun Armoury
Langschwerter, Einhandschwerter, Säbel, Seitschwerter, Rapiere, Dolche, Federn
Solide, stark maschinell hergestellt wirkende Ware aus Osteuropa. Qualität und Sortiment nicht unähnlich Regenyei.

Landsknecht Emporium
Messer, Schwerter, Federn, Dolche, Scheiden
Für uns DER Hersteller hochwertiger Langer Messer. Der Rest ist auch sehr schön!

Maciej Kopciuch
Schwerter, Falchions
Eine Schmiede der Oberklasse, die vornehmlich scharfe Repliken in Handarbeit mit wunderschönen Scheiden herstellt.

Malleus Martialis
Langschwerter, Federn, Einhandschwerter, Buckler, Rapiere,  Dolche
Ebenfalls ein Schmied, dessen Trainingsschwerter einen sehr historischen Look haben.

Mateusz Sulowski Swords
Schwerter
Sulowski ist ein Handwerker der Oberklasse. Er gilt als Künstler unter den Schmieden, der wunderschöne, scharfe Einzelanfertigungen baut, die optisch mit den Waffen von Johnsson und Rot mithalten können. Seine Schwertscheiden suchen seinesgleichen.

Paul Binns
Schwerter, Dolche, Messer, Äxte
Paul ist ein Traditionsschmied aus England, der sehr hochwertige und nicht gerade günstige, meist sumpfe, Fechtwaffen für die (Früh)Mittelalterszene herstellt. Auf Anfrage fertigt er wunderschöne Einhandschwerter als Einzelstück und in Kleinserie. Gute Kommunikation.

Pavel Marek
Dolche … und so ziemlich alles
Schmiede aus Tschechien mit riesiger Produktpalette, das Meiste für die Mittelalterszene. Optik und Verarbeitung sind vergleichbar mit JiNo. Die Scheibendolche sind sehr zu empfehlen, möchte man mit historisch anmutenden Stücken trainieren. Bei den anderen Waffen unbedingt auf das Gewicht schauen!

Pavel Moc
Langschwerter, Einhandschwerter, Rapiere, Messer
Traditionelles Schmiede-Urgestein aus Tschechien. Sehr schöne, handgemachte und historisch anmutende Schwerter mit Liebe zum Detail. Keine Stangenware, sondern hochwertige Kleinserien für einen entsprechenden Preis! Die Kommunikation ist schwierig, daher raten wir von Sonderwünschen ab.

Peter Johnsson
Schwerter und Kunstobjekte
Johnsson gilt wie Roth als einer der besten Schwertschmiede überhaupt. Seine Stücke sind einzigartig und sehr teuer. Interessant ist auch seine wissenschaftliche Mitarbeit.

Pike Armory
Vornehmlich Federn, Rapiere und Linkhanddolche
Schlicht, sauber verarbeitet und nicht zu teuer. Kontakt anscheinend nur über Facebook oder über danshinmihail@mail.ru.

Poker Armory
Langschwerter, Federn, Einhandschwerter, Messer, Schlachtschwerter, Säbel, Rapiere, Linkhanddolche
Sehr einfach gestaltete Produkte, preislich im Mittelfeld.

Regenyei Armory
Langschwerter, Einhandschwerter, Seitschwerter, Säbel, Rapiere, Bidenhänder, Dolche, Federn
Der Standard-Ausrüster schlechthin mit sehr großer Produktpalette. Haltbarkeit und vor allem Führigkeit passen, doch sehen die Waffen sehr maschinell hergestellt aus. Wartezeit ca. 6-9 Monate, doch ist die Kommunikation zuverlässig und die Termine werden eingehalten.

Schildwerkstatt
Buckler und andere Schilde
Unserer Meinung nach DER Hersteller schöner, robuster und dazu noch historisch akkurater Schilde. Die Buckler sind nahezu perfekt.

Seelenschmiede
Schwerter (auch japanische), Messer und Dolche
Stefan Roth gilt als einer der besten Schmiede europäischer Schwerter  überhaupt und fertigt teure Einzelanfertigungen, meist in der scharfen Variante. Wer hier bestellt, braucht Geld und noch mehr Geduld.

Sigi Forge
Federn, Buckler
Sehr hübsche Sportgeräte, viele Möglichkeiten der Individualisierung

Szymon Chlebowski
Federn und Trainingsschwerter
Hochwertige Produkte, sehr spezialisiert

Schutzkleidung

Black Amoury
Riesiger HEMA-Versand, der auch eine eigene Produktlinie führt. Aktuell bekannt für seine Arcem-Jacken.

PBT Historical Fencing
HEMA-Sublabel von BPT und bewährter Standard-Ausrüster.

Leon Paul Germany
Großer Fechsportausrüster mit einem kleinen HEMA-Maskensortiment.

Red Dragon
Solide HEMA-Protektion und durchaus verwendbare Synthetik-Trainingswaffen aus England.

Sparring Gloves
Auf schwere Freikampfhandschuhe spezialisierter Produzent. Alternative zu den SPES Heavy.

SPES
Ebenfalls ein bewährter Standarsausrüster, Hersteller der bewährten AP-Jacke und der Heavy Gloves

Superior Fencing
HEMA-Ausrüster aus Pakistan mit erstaunlich solider Produktpalette

Gemischter Versandhandel

Battle Merchant
Großer Versandhandel für allerlei Mittelalterkram, mit einigen HEMA-Kompatiblen Produkten. Gute Bezugsquelle von Hanwei-Rapieren.

Black Amoury
Riesiger HEMA-Versand, der auch eine eigene Produktlinie führt. Aktuell bekannt für seine Arcem-Jacken.

Trainingsschwerter
Deutschlands größter HEMA-Händler.

Swords & More
Großer Händler für alles rund um Schwertkampf, auch asiatisch.