Bogenschießen

Historisch betrachtet gehört das Schießen mit dem Bogen nicht zum Ausbildungskanon mittelalterlicher Fecht- und Ringmeister, spielte jedoch in der allgemein präsenten Praxis der Kriegskunst eine große Rolle. Petrus Alfonsi, ein spanischer Arzt und Philosoph des 12. Jahrhunderts, zählt neben dem Fechten auch das Bogenschießen zu den sieben „ritterlichen Tüchtigkeiten“, welche junge Knappen bereits in früher Jugend zu erlernen hatten. Wie die Fechterei „verbürgerlichte“ sich auch die Schießkunst im Zuge der gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen des späten Mittelalters. Die aufstrebenden freien Reichsstädte hatten ebenso Bedarf an tüchtigen Schützen für ihre Aufgebote wie die zahlreichen Söldnerheere, die die Mächtigen auf den Schachfeldern Europas gegeneinander in Stellung brachten. Schützenbruderschaften gründeten sich allerorten und aus vielen Städten sind regelmäßige Übungs- und Preisschießen belegt. Der Bogen war hierbei die ursprünglichste der Distanzwaffen, behauptete sich jedoch noch recht lange neben Armbrust und Muskete wegen seiner Flexibilität, Unkompliziertheit und hohen Schussfrequenz.

Traditionelles Bogenschießen

Bogenschießen auf Weltklasse-Niveau ist längst, genau wie das moderne olympische Fechten, ein High-Tech-Sport mit hohem Materialaufwand und einem strengen Reglement geworden. Der Begriff „traditionelles Bogenschießen“ umschreibt dagegen den Verzicht auf Zielhilfen, Gewichte und die Schusskraft verstärkenden Rollensystemen, wie sie Compoundbögen besitzen. Viele traditionelle Bogenschützen interessieren sich außerdem für den historischen Bogenbau mit den entsprechenden Materialien. Auch der mentale Ansatz ist ein anderer, denn hinzu kommt, dass viele der traditionellen Schützen „intuitiv“, also sich rein auf Körpergefühl und Erfahrung verlassend, schießen und damit versuchen, der alten Schießkunst näher zu kommen.

Bogenspaß bei der Stahlakademie

Innerhalb der Stahlakademie wird grundsätzlich traditionell geschossen, hinsichtlich der Pfeile und Bögen sind wir jedoch offen und undogmatisch: Unsere Mitglieder besitzen sowohl klassische Lang- als auch Recurvebögen, von der historisch akkuraten Replik aus  Eibenholz mit Hornnocken, die mit Holzpfeilen geschossen wird, bis zum modernen Kompositmaterial inklusive Karbonpfeilen ist alles dabei. Geschossen wird bei uns „outdoor“ von April bis September, wir verfügen über eine eigene Schießbahn. Dabei zeigen wir uns sehr anfängerfreundlich: Vier Recurvebögen mit auswechselbaren Wurfarmen inklusive der passenden Pfeile können bei uns zum Training ausgeliehen werden und bieten allen Interessenten eine solide Einstiegsbasis.

Traditionelles Bogenschießen ist die ideale Ergänzung zum sehr dynamischen und athletischen Kampf mit dem Schwert. Es ist eine ruhige, manchmal sogar meditative Beschäftigung, die jedoch trotzdem Anforderungen an den Körper stellt: Die Arm- und Rückenmuskulatur wird gestärkt, das Körpergefühl verändert sich und die Sinne werden beansprucht.
Auch der psychologische Aspekt spielt eine große Rolle, denn Schießen erfordert Konzentrationsfähigkeit, mentale Stärke und die gelassene Beherrschung innerer und äußerer Störfaktoren. Bogenschießen relaxed und fordert zugleich heraus. Das macht diesen Sport nicht nur zum tollen Ausgleichstraining fürs historische Fechten, sondern auch zu einer Charakterschule, die jeden begeistert.

Beratender Betreuer für das Bogenschießen ist, neben Schulleiter Torsten Schneyer, Maik Hoffman, der seine Erfahrungen im Take a Bow – Leipziger Bogenschützen e.V. gesammelt hat.

Das Bogenschießen findet ungefähr zweimal im Monat statt, die aktuellen Termine erfahrt ihr hier: