Der ein- oder andere Leser, welcher sich für mittelalterliche Kampfkunst interessiert, hat vielleicht bereits den Namen Johannes Liechtenauer gehört. Das Leben dieses Mannes, dessen Wirken nur indirekte historische Spuren hinterlassen hat, liegt im Dunkel, und seine Geburt muss irgendwann in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts vermutet werden. Was wir über ihn jedoch sicher sagen können ist: Er war ein stilprägender Fechtmeister seiner Zeit, der ganze Generationen von “Männern des Schwertes” nachhaltig prägte und dessen Einfluss bis weit ins 16. Jahrhundert hineinreicht. Natürlich hat Liechtenauer die europäische Kampfkunst nicht erfunden, sondern hat, wie das “Döbringer-Manuskript” zu berichten weiss: “manche lant / durchfaren vnd gesucht / durch der selbñ rechtvertigen vnd warhaftige~ kunst wille / das her dy io irvare~ vnd wissen welde” (sinngemäß etwa: “…manche Länder -der rechten und wahrhaftigen Kunst willen- gesucht und durchreist, um diese Kunst zu erfahren und zu wissen.”).

Direkte schriftliche Zeugnisse von Liechtenauer sind nicht überliefert, denn zu seiner Zeit war es üblich, dass “heimliche” Lehren wie die Fechtkunst mündlich und in Reimform von Meister zu Schüler weitergegeben wurden. Erst spätere Generationen von Fechtmeistern begannen, mit dieser mündlichen Tradierung zu brechen, Liechtenauers Fechtreime auf sogenannten “Zedeln” schriftlich festzuhalten und im Zuge dessen euch zu interpretieren nd zu erweitern.

Viele dieser Zedel sind uns durch die Fechtbücher erhalten geblieben. Es gibt für den deutschsprachigen Raum etwa 60 erhaltene Fechtmanuskripte, von denen sich vor allem die frühen Exemplare vor 1500 n. Chr.  zu einem guten Teil auf Johannes Liechtenauer beziehen.

Die Stahlakademie bezieht sich direkt auf diese Tradition  und arbeitet nach folgenden Quellen:

  • Cod. Hs. 3227a (das “Döbringer-Manuskript”)
  • Codex  44 A 8 (Peter von Danzig)
  • Mscr. Dresd. C 487 (Sigmund Ringeck)
  • Cgm 1507 (Paulus Kal)
  • Cod.I.6.4o.3 (Jude Lew)

Sekundäre Quellen sind die Fechtbücher von Hans Talhoffer, Peter Falkner und Hans von Speyer.