Ausbildung zum Trainer der Stahlakademie

Jede Kampfkunst ist nur so gut wie der Kämpfer, der sie praktiziert. Und jeder Kämpfer ist nur so gut, wie es die Ausbildung, welche er genoss, ermöglicht. Es sind also letztendlich wir Vereinsleiter, Lehrer und Trainer, die eine Kampfkunst gestalten. Für das historische Fechten, das nicht auf eine durchgehende Tradierungslinie zurückgreifen kann, sondern von der Interpretation „wiedergefundener“ historischer Quellen lebt, gilt dieser Grundsatz doppelt.

Ich möchte mit der Stahlakademie ehrgeizigen Fechtern die Möglichkeit geben, sich über das reine Training hinaus an der Pflege und Weiterentwicklung „unserer“ Kampfkunst sowie unserer Kampfkunstschule zu beteiligen. Und zwar, indem ich mein Wissen und meine Erfahrung weitergebe sowie die nötigen Strukturen und Mittel für ein solches Unterfangen zur Verfügung stelle. Außerdem ist die Stahlakademie bekanntlich zur Zeit noch eine Ein-Mann-Show, ein Umstand, den ich gerne ändern würde. Es geht also um eine Trainer-Ausbildung.

Nun muss man dazu klarstellen, dass Titel wie „Fechtmeister“, „Schwertkampflehrer“ oder „Kampfkunst-Trainer“ keine geschützten Berufsbezeichnungen sind und sich de facto jedermann so nennen darf, auch wenn er vielleicht nur mit Essmessern jongliert. Zwar gibt es deutschlandweit mehrere Ansätze, entsprechende Strukturen zu etablieren und die Trainer-Ausbildung im historischen Fechten auf eine solide und seriöse Grundlage zu stellen, aber entweder finden diese keinen rechten Anklang oder stecken, wie im Fall des DDHF, noch in den Kinderschuhen (wenn auch in vielversprechenden!)
Die aktuelle Situation sieht eher so aus: Momentan finden solche Ausbildungen entweder im privaten Rahmen statt oder werden von Kleinverbänden mit wenigen Schulen angeboten. Ihre Legitimation hängt primär vom guten Ruf, dem Bekanntheitsgrad und der Reputation des jeweilig ausbildenden Lehrers ab. Das verhält sich hinsichtlich meiner eigenen Lehrtätigkeit nicht anders, doch bewege ichh mich hier auf dickem Eis und bin davon überzeugt, mich nach über 15 Jahren HEMA-Trainertätigkeit nicht verstecken zu müssen.

Das Angebot

Folgende Perspektiven möchte ich Dir –sofern an der Trainertätigkeit interessiert- eröffnen:

  • Eine Grundausbildung in allen bei der Stahlakademie praktizierten historischen Waffenkünsten.
  • Eine -nach aktueller Kenntnis- vollständige Ausbildung in den Kampfkünsten, die von Dir später gelehrt werden sollen.
  • Vertiefung der Kenntnisse und Fähigkeiten durch exklusiven Privatunterricht.
  • Die für das Abhalten von Fechtunterricht notwendige Didaktik: Das Erstellen von Lehrplänen, das Planen und Strukturieren von Unterrichtseinheiten einerseits, aber auch sogenannte „Soft-Skills“ andererseits, wie z.B. der Einsatz von allerlei rhetorischen und pädagogischen Werkzeugen in Wort und Tat, die Kommunikation mit Schülern und die Analyse gruppendynamischer Prozesse.
  • Die fundierte Weitergabe von Wissen über Anatomie, Trainingslehre und sportspezifischer Ernährung.
  • Einblick und Einbezug in die Arbeit der Quellenrecherche.
  • Planung, Durchführung und praktische Umsetzung von quellenbasierter Kampfkunst-Interpretation -von der ersten Recherche bis zum fertigen Unterrichtskonzept- am Beispiel komplett eigenverantwortlich durchgeführter Projekte.
  • Learning by doing: Praxis im Übernehmen von Verantwortung und im Abhalten von eigenen Unterrichtseinheiten.
  • Viele Jahre Trainererfahrung, Kontakte und die Strukturen einer laufenden Kampfkunstschule, von denen du profitieren kannst.
  • Die Möglichkeit, auf freiberuflicher Basis bezahlte Trainertätigkeit in der Stahlakademie durchzuführen, mich zu vertreten und Kurse zu leiten.
  • Letztendlich hast du sogar die Möglichkeit, eine eigene Stahlakademie-Dependance zu betreiben und im Namen der Akademie Unterricht zu erteilen.




Trainer sein macht Spaß: Finales Gruppenfoto vom “Stahltag 2015″, ein Seminar mit externen Gästen.

Gruppenanschluss?

Du bist (noch) kein Akademie-Mitglied, wohnst nicht in Leipzig, sondern lebst und wirkst ein bisschen weiter weg? Du befasst dich schon länger mit den historischen Kampfkünsten und hast vielleicht bereits eine kleine, inoffizielle Trainingsgruppe, die du anleitest? Was dir noch fehlt, ist „der letzte Schliff“, professionelles Know-How und ein finanzieller, struktureller Rahmen? Vielleicht mach dann ja der Anschluss an die Stahlakademie für Dich (oder Euch?) Sinn. Werde Akademie-Trainer, profitiere von unserer langjährigen Erfahrung und eröffne eine offizielle Stahlakademie-Dependance.

Die Anforderungen

Sollten wir damit Dein Interesse geweckt haben, freut uns das sehr. Doch auch wir haben Wünsche und Anforderungen. Als angehender Trainer der Stahlakademie solltest du folgende Eigenschaften mitbringen:

  • Der perfekte Fechter sein… nicht.
    Rom wurde nicht an einem Tag erbaut und ich erwarte von einem angehenden Trainer nicht, dass er der härteste Hund in der Grube ist… da gibt es ganz andere Qualitäten, die zählen. Ein gewisses fechterisches Talent und einen inoffiziellen Status als „Fortgeschrittener“, wenigstens im Langen Schwert, möchte ich aber schon sehen. Außerdem wirst Du Dich durch uns zertifizieren lassen müssen, aber das sind Details, die wir dann im Falle des Falles besprechen. Auf jeden Fall wirst du durch die Ausbildung sehr viel Training bekommen und dich fechterisch stark weiterentwickeln.
  • Zeit, Engagement und Ehrgeiz.
    Es kostet viel Zeit und Willen, ein guter Fechter zu werden. Damit fängt der Spaß aber erst an. Die Ausbildung zum Trainer der Stahlakademie ist umfangreich und braucht ihre Zeit. Sie erfordert häufige Anwesenheit und Beharrlichkeit. Wenn du sprunghaft bist in deinen Interessen oder zu den Leuten gehörst, die sich gerne mal für viele Wochen verabschieden, ist der Job vielleicht nicht der richtige für dich.
  • Körperliche Belastbarkeit und den Willen zur Transformation. Kampfkunst ist anstrengend und körperlich fordernd. Unsportliche Menschen haben es schwer, als Trainer authentisch zu wirken (es sei denn, sie sind 70 und tragen einen weißen Bart). Ein Kampfkunstlehrer hat jedoch eine Vorbildfunktion. Daher sollte er sich durch körperliches Training in eine Form bringen, die keinen Zweifel an seinem Trainingspensum lässt und die Schüler zur Nachahmung motiviert.
  • Ein klarer Kopf und die Fähigkeit, sich deutlich und strukturiert auszudrücken.
    Fechten wird zwar mit dem Körper gezeigt, aber mit dem Mund erklärt. Ein gewisses rhetorisches Talent, Freude am Erklären und der sichere Instinkt fürs Wesentliche schaden nicht.
  • Spaß und Geschick im Umgang mit Menschen.
    Es klingt banal, aber dass du kein sozial unverträglicher Miesepeter bist und gut mit anderen Leuten kannst, ist unabdingbar! Die richtige Mischung aus Empathie und Freundlichkeit einerseits, sowie charakterlicher Stärke und Selbstbewusstsein andererseits macht viel aus, wenn es darum geht, Menschen zu begeistern und in einer Unterrichtssituation anzuleiten.
  • Die Liebe zu alten Texten und historischen Quellen.
    Gute HEMA-Trainer sind immer auch Bücherwürmer, die so nahe an alten Texten wie irgend möglich arbeiten. Es ist von Vorteil, wenn man mit dem Internet, Katalogen und Literaturlisten umzugehen weiß.
  • Ein Mindestmaß an finanziellen Ressourcen.
    Die entsprechenden Lehrgänge sind für die Anwärter selbstverständlich nicht kostenfrei, denn ich werde viel Zeit in dich investieren. Außerdem wirst du mehr Material als ein gewöhnlicher Fechter benötigen, abhängig davon, wohin dich dein Kampfkunstweg verschlägt. Dennoch ist die Ausbildung zum Trainer der Stahlakademie auch nicht ganz ohne Annehmlichkeiten, denn nach einer entsprechenden Probezeit erlasse ich dir die normalen Mitgliedsbeiträge, sofern du dich in der Akademie engagierst. Und solltest du dann irgendwann einmal einen ganzen Kurs übernehmen, wirst du dafür auch entlohnt. Dennoch möchte ich gar nicht erst unterschlagen, dass du mit anfänglichen Investitionen für Privatunterricht, Pauschalen und Zertifizierungen rechnen musst.

Lass‘ uns darüber reden.

So weit, so gut, und wie geht es jetzt weiter? Das ist einfach: Melde dich bei uns und wir setzen uns in aller Ruhe zusammen.

Torsten Schneyer, Leipzig, Januar 2016